Marc, Sandra und Jenny als gemäldeartige Illustration im Gespräch am Stall.

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Bodenarbeit im Baukastensystem: Mehr als ein Pferdebuch

Warum Jennys neues Buch für Sandra und mich etwas ganz Besonderes ist – eine persönliche Empfehlung über Pferde, Lernen und Freundschaft.

KI-generierte Illustration

Von Marc Timmerherm · Lesezeit ca. 8 Minuten

Es gibt Bücher, die kauft man, weil einen ein Thema interessiert, und es gibt Bücher, bei denen man schon beim ersten Aufschlagen merkt, dass sie für einen selbst eine ganz andere Bedeutung haben werden. „Bodenarbeit im Baukastensystem“ von Jenny Drees gehört für Sandra und mich ganz eindeutig zur zweiten Kategorie. Natürlich interessieren uns Pferdetraining, Bodenarbeit, klassische Handarbeit, Bosal und Kommunikation seit vielen Jahren. Trotzdem ist dieses Buch für uns eben nicht einfach nur ein weiteres Pferdebuch, denn die Frau, die es geschrieben hat, ist inzwischen eine sehr gute Freundin unserer Familie und ein Mensch, der unseren Weg mit unseren Pferden über viele Jahre begleitet und mitgeprägt hat.

Deshalb kann und möchte ich über dieses Buch auch gar nicht vollkommen neutral schreiben. Ich kenne Jenny nicht nur als Trainerin und Autorin, sondern als Freundin. Und vielleicht ist genau das auch der Grund, warum ich beim Lesen immer wieder nicht nur dachte: „Das ist interessant“, sondern vielmehr: „Ja, genau das ist Jenny.“

Von einer zufälligen Begegnung zu einer Freundschaft

Kennengelernt haben wir Jenny eigentlich völlig unspektakulär in der Reithalle. Sie gab damals einer Stallkollegin Reitunterricht und arbeitete mit ihr gerade an der Galopppirouette. Ich war ebenfalls irgendwie in der Halle – was genau ich dort gerade gemacht habe, weiß ich heute ehrlich gesagt nicht mehr – und wir kamen ins Gespräch. Irgendwie verstanden wir uns auf Anhieb, ohne dass damals überhaupt die Rede davon war, dass wir einmal bei ihr Unterricht nehmen würden.

Einige Zeit später kaufte Sandra einen Sattel bei Jenny und ritt diesen natürlich in ihrer Anwesenheit Probe. Jenny beobachtete Sandra und Valea dabei und gab ihr ein paar Hinweise, die erstaunlich gut funktionierten. Daraus entstand zunächst Unterricht für Sandra, irgendwann kam auch ich dazu, und über die Jahre haben wir unglaublich viel von Jenny gelernt: klassische Handarbeit, feine Kommunikation, Arbeit am Bosal, Bewegungsabläufe, Hilfengebung und vor allem die Fähigkeit, bei einem Problem nicht nur das sichtbare Verhalten zu betrachten, sondern sich zu fragen, warum es überhaupt entsteht.

Und irgendwo auf diesem gemeinsamen Weg wurde aus einer Trainerin eine Freundin und schließlich ein Mensch, den wir heute ganz selbstverständlich als Teil unseres Lebens betrachten. Sandra sagte beim Schreiben dieses Artikels über Jenny: „Sie ist ein großer Teil unseres Lebens geworden, und manchmal fühle ich mich tatsächlich wie ihre Zwillingsschwester.“ Ganz von der Hand zu weisen ist das nicht – die beiden sind sich in ziemlich vielen Dingen erstaunlich ähnlich. Ob wir irgendwann noch eine gemeinsame Verwandtschaftslinie entdecken, bleibt abzuwarten.

Gemäldeartige Illustration von Jenny neben Spirit bei der Bodenarbeit.
Klarheit, Ruhe und Verständigung: eine eigenständige Illustration zum Thema Bodenarbeit.
KI-generierte Illustration

Müssen wir wirklich immer der Chef sein?

Eine Überschrift in Jennys Buch hat mich besonders angesprochen: „Müssen wir wirklich immer der Chef sein?“

Denn es gibt in der Pferdewelt nach wie vor Ausbildungskonzepte, in denen das Verhältnis zwischen Mensch und Pferd letztlich wie eine Chef-Mitarbeiter-Beziehung verstanden wird. Der Mensch entscheidet, das Pferd führt aus. Partnerschaft wird dabei teilweise sogar als unrealistisch angesehen, weil schließlich immer einer führen müsse.

Genau an diesem Punkt gehe ich einen anderen Weg – und genau deshalb finde ich mich in Jennys Gedanken so sehr wieder. Natürlich braucht ein Pferd Führung, Regeln und Grenzen. Ein Pferd mit 500 oder 600 Kilogramm Körpergewicht darf nicht einfach entscheiden, ob es meine persönlichen Grenzen respektiert oder mich heute lieber zur Seite schiebt. Aber Führung und Dominanz sind für mich zwei vollkommen unterschiedliche Dinge.

Ich muss meinem Pferd nicht jeden Tag beweisen, dass ich stärker bin oder ihm ständig erklären, dass ich „der Boss“ bin. Was ein Pferd aus meiner Sicht braucht, ist ein Mensch, der verständlich, verlässlich, konsequent und fair ist und gerade dann Orientierung geben kann, wenn eine Situation schwierig wird. Für mich widerspricht das einer Partnerschaft überhaupt nicht. Im Gegenteil: Eine Partnerschaft bedeutet schließlich nicht, dass jeder jederzeit machen kann, was er möchte. Sie bedeutet, dass Verantwortung, Vertrauen und gegenseitiger Respekt die Grundlage bilden.

„Was ein Pferd wirklich braucht, ist Orientierung.“ – Jenny Drees, Bodenarbeit im Baukastensystem, S. 17. 1

„Das macht man eben so“

Ein weiterer Punkt, der mir beim Lesen ausgesprochen gut gefallen hat, ist Jennys Umgang mit Tradition. In der Pferdewelt gibt es unglaublich viele Dinge, die letztlich mit einem einzigen Satz begründet werden: „Das macht man eben so.“

Als alleinige Begründung reicht mir das schon lange nicht mehr.

Ich liebe viele traditionelle Formen der Pferdeausbildung, arbeite selbst gerne mit dem Bosal und beschäftige mich intensiv mit klassischer Handarbeit. Aber Tradition darf für mich niemals bedeuten, dass wir aufhören zu denken. Nur weil etwas seit Jahrzehnten oder Jahrhunderten gemacht wird, muss es heute nicht automatisch für jedes Pferd sinnvoll sein. Umgekehrt ist natürlich auch nicht alles Alte schlecht. Entscheidend ist, dass wir wissen, warum wir etwas tun.

Jenny greift im Buch beispielsweise die Gewohnheit auf, Pferde überwiegend von links zu führen, zu satteln oder von links aufzusteigen. Dafür gab es historisch durchaus Gründe. Heute darf man aber schon fragen, ob ein Pferd nicht besser ausgebildet ist, wenn solche Dinge selbstverständlich von beiden Seiten funktionieren.

Und da stimme ich Jenny vollkommen zu. Ich muss allerdings auch zugeben: Mein Pferd sollte das können – ich selbst kann es nicht besonders gut. Von rechts aufzusteigen oder zu satteln endet bei mir ziemlich schnell darin, dass ich aussehe, als hätte ich zum ersten Mal in meinem Leben ein Pferd gesehen. Da ist also durchaus noch Entwicklungspotenzial vorhanden.

Manchmal ist das Pferd gar nicht so stur

Einer der für mich wichtigsten Gedanken des Buches ist, dass viele vermeintliche Trainingsprobleme letztlich Kommunikationsprobleme sind. Und genau das zwingt uns Menschen dazu, auch einmal bei uns selbst zu suchen.

Wer meine Stute Spirit kennt, weiß, dass sie durchaus eine eigene Meinung hat. Ich habe sie oft genug als unglaublich stur bezeichnet und tue das vermutlich auch weiterhin. Allerdings musste ich über die Jahre feststellen, dass ein erstaunlich großer Teil dieser vermeintlichen Sturheit damit zusammenhängt, wie klar meine eigene Körpersprache und Hilfengebung gerade sind.

Seit ich sehr bewusst an mir selbst, meiner Körpersprache und der Präzision meiner Hilfen gearbeitet habe, ist Spirit nämlich plötzlich deutlich weniger „stur“.

Besonders deutlich merkt man das, wenn andere Menschen auf ihr sitzen. Vicky, Jennys beste Freundin, kann sich beispielsweise auf Spirit setzen und einfach losreiten. Da gibt es erstaunlich wenig Diskussionsbedarf. Bei anderen guten Freunden habe ich dagegen schon erlebt, dass Spirit der festen Überzeugung war, sich überhaupt nicht bewegen zu müssen.

Natürlich hat dieses Pferd Charakter und natürlich testet sie auch Grenzen. Aber eben nicht jedes „Nein“ des Pferdes bedeutet automatisch: „Ich respektiere dich nicht.“ Manchmal bedeutet es schlicht: „Ich habe gerade keine Ahnung, was du von mir willst.“

Und genau das ist für mich eine der wertvollsten Botschaften in Jennys Buch. Natürlich können wir ein Pferd stärker treiben, mehr Druck machen oder eine größere Hilfe einsetzen. Wir können aber auch zuerst überlegen, ob wir überhaupt verständlich kommunizieren.

Das ist unbequemer, weil wir dann nicht mehr automatisch dem Pferd die Schuld geben können. Aber es verändert unglaublich viel.

Gemäldeartige Illustration von Marc mit der gefleckten Knabstrupper-Stute Spirit am Boden.
Bei Spirit beginnt die Frage nach verständlichen Hilfen oft bei mir selbst.
KI-generierte Illustration

Ein Baukastensystem statt Schema F

Gerade bei unseren eigenen Pferden haben Sandra und ich gelernt, wie wichtig dieser Gedanke ist. Spirit und Valea könnten in vielen Bereichen kaum unterschiedlicher sein. Beide bringen ihre eigene Persönlichkeit und ihre eigenen Erfahrungen mit, und was beim einen Pferd hervorragend funktioniert, kann beim anderen vollkommen falsch sein.

Genau deshalb gefällt mir das Bild des Baukastensystems so gut. Es gibt Grundlagen, Bausteine und Zusammenhänge, die man lernen kann. Jenny beginnt bei Kommunikation und Lerntheorie, arbeitet über Führpositionen, Rückwärtsrichten, Seitwärtsbewegungen und die Kontrolle von Vor- und Hinterhand bis hin zu freiem Führen, freiem Zirkeln und weiteren Übungen.

Aber aus diesen Bausteinen entsteht eben nicht bei jedem Pferd dasselbe Ergebnis auf dieselbe Weise. Ich muss schauen, welches Pferd vor mir steht, was es bereits verstanden hat und was es gerade braucht.

Und genau das finde ich an diesem Buch so cool: Ich muss es nicht von vorne bis hinten durcharbeiten. Ich kann es auch mit an den Stall nehmen und überlegen: Was möchte ich mit meinem Pferd eigentlich erreichen? Welche Bausteine brauchen wir dafür, was klappt schon und woran müssen wir noch arbeiten? Dann suche ich mir die passenden Stellen heraus und erarbeite mir daraus Schritt für Schritt die gewünschte Lektion. Fehlt unterwegs eine Grundlage, gehe ich zu diesem Baustein zurück. So wird aus einem Buch etwas, mit dem ich im Alltag wirklich arbeiten kann – passend zu meinem Pferd und zu dem, was uns gerade beschäftigt.

Gute Pferdeausbildung kann deshalb für mich niemals das stumpfe Abarbeiten eines festen Programms sein.

Schematische gemäldeartige Illustration mit beschrifteten Holzbausteinen und Sandra und Jenny im Hintergrund.
Unsere eigene Veranschaulichung des Baukastengedankens – keine Abbildung des Systems aus dem Buch.
KI-generierte Illustration

Warum dieses Buch für uns mehr bedeutet

Vielleicht ist genau das der Punkt, an dem sich Jennys Buch, ihre Arbeit und unsere Freundschaft für mich miteinander verbinden. Jenny ist niemand, der irgendwann beschlossen hat, die eine Wahrheit über Pferde gefunden zu haben und diese seitdem unverändert weiterzugeben. Sie beobachtet, lernt, hinterfragt, probiert aus und entwickelt ihre Arbeit weiter.

Und genau das halte ich bei einem guten Trainer für unglaublich wichtig. Langjährige Erfahrung ist wertvoll, aber zwanzig oder dreißig Jahre Erfahrung bedeuten eben nicht automatisch, dass man zwanzig oder dreißig Jahre lang dasselbe tun sollte. Weiterbildung bedeutet für mich auch, bereit zu sein, die eigene Meinung infrage zu stellen.

Deshalb ist „Bodenarbeit im Baukastensystem“ für mich weit mehr als eine Sammlung von Übungen. Unter all den praktischen Anleitungen liegt eine Haltung, die sich durch das gesamte Buch zieht: Verantwortung für die eigene Kommunikation übernehmen, das Pferd nicht einfach nur funktionieren lassen wollen, Zusammenhänge verstehen und Ausbildung so gestalten, dass aus Klarheit Vertrauen entstehen kann.

Und wahrscheinlich ist das größte Kompliment, das ich diesem Buch machen kann, ein sehr persönliches: Beim Lesen erkenne ich auf vielen Seiten nicht nur die Trainerin Jenny Drees, sondern den Menschen Jenny, den wir inzwischen so gut kennen.

Vieles von dem, was in diesem Buch steht, haben wir nicht nur in Unterrichtsstunden gehört, sondern mit unseren eigenen Pferden erlebt. Wir haben gesehen, wie Jenny nach Lösungen sucht, wenn eine Standardantwort nicht funktioniert, und wir haben selbst davon profitiert.

Deshalb freue ich mich unheimlich darüber, dass dieses Wissen nun zwischen zwei Buchdeckeln steckt und Menschen erreichen kann, die vielleicht niemals die Gelegenheit haben werden, persönlich bei Jenny Unterricht zu nehmen. Und ja, ich bin auch ein bisschen stolz auf unsere Freundin, denn hinter diesem Buch stecken viele Jahre Arbeit, Erfahrung, Lernen, Hinterfragen und ganz offensichtlich unglaublich viel Herz.

Für Sandra und mich bleibt neben all dem Fachlichen deshalb vor allem eines: Dankbarkeit. Dafür, was wir von Jenny lernen durften, dafür, wie oft sie uns und unseren Pferden geholfen hat, dafür, dass sie unseren Blick auf manche Dinge verändert hat und vor allem dafür, dass aus einer zufälligen Begegnung in einer Reithalle irgendwann eine Freundschaft entstanden ist, die mit Pferdetraining schon lange nicht mehr viel zu tun haben muss, um wichtig zu sein.

Manchmal bringen Pferde eben nicht nur Menschen dazu, über sich selbst nachzudenken. Manchmal bringen sie auch genau die richtigen Menschen zusammen.

Und dafür, liebe Jenny, sind wir Dir verdammt dankbar.

Jenny kennenlernen und das Buch entdecken

Wenn Du mehr über Jenny und ihre Arbeit erfahren möchtest, findest Du auf ihrer Website „Blindly Follow Horses“ Einblicke in ihre Pferdeausbildung, Unterricht und Kurse. Das Buch kannst Du direkt im Verlagsshop bestellen.

Alle Bilder sind eigenständige KI-generierte Illustrationen auf Grundlage von Referenzfotos. Sie zeigen keine Originalabbildungen aus dem Buch und dokumentieren keine konkreten Unterrichtssituationen.

◆ Buch & weiterführende Links

Zum Buch und zu Jenny

Diese persönliche Buchempfehlung beschreibt unsere Freundschaft mit Jenny und unsere eigenen Erfahrungen.

Das kurze Buchzitat wurde anhand der bereitgestellten Buchseite geprüft. Persönliche Erinnerungen und Einschätzungen stammen von Marc und Sandra.

  1. Jenny Drees: Bodenarbeit im Baukastensystem. Logisches Pferdetraining: Kombination aus Lerntheorie, Kommunikation und praktischen Übungen. Müller Rüschlikon. Zitat und Kapitelüberschrift: S. 17. ISBN 978-3-275-02386-8.

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  2. Jenny Drees: Blindly Follow Horses – ihre offizielle Website mit Einblicken in Pferdeausbildung, Unterricht und Kurse.

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